Uferschnepfe 123, ein bewegter Lebenslauf

Seit 2008 bis 2011 wurden auf der Insel Föhr 110 Uferschnepfen beringt. Sie erhielten Farbringe und einen Metallring mit Nummer der Vogelwarte Helgoland.

Uferschnepfe 123 auf der Elmeere-Fläche 8

Uferschnepfe 123 auf der Elmeere-Fläche 8

In diesem Jahr habe ich 27 der beringten Vögel wieder bei uns auf der Insel abgelesen. Dann werden die Farbcodierungen in eine Liste eingetragen, und der gesichtete Vogel wird bei Life Limosa (NABU Bergenhusen) gemeldet. Danach bekomme ich dann einen „Lebenslauf“ des Vogels von seiner Beringung bis zu meiner Sichtung. Einen besonders interessanten Vogel möchte ich heute vorstellen.
Uferschnepfe 123 wurde am 29.4.2009 als Altvogel beringt und trägt die Ringnummer 5311061 der Vogelwarte Helgoland.

Auszug aus der Tabelle der Farbcodierungen

Auszug aus der Tabelle der Farbcodierungen

Die Farbcodierung der Uferschnepfe wird folgendermassen abgelesen: Vogel von hinten, linkes Bein von oben nach unten, dann rechtes Bein. Ufi 123 hat also folgende Codierung: RSR-SMB. (Rot Schwarz Rot – Schwarz Metall Blau).

Revier und Sichtungen des Vogels auf Föhr

Revier und Sichtungen des Vogels auf Föhr

Ufi 123 wurde insgesamt 37 mal gesichtet und gemeldet. Die Sichtungen geben z.B. Aufschluss über das Zugverhalten und die Brutstätte. Nur ein paar Stationen des weltgereisten Vogels möchte ich aufzählen. Seit der Beringung ist sie jedes Jahr wieder auf der Insel erschienen. Sie hat jedes Jahr hier gebrütet und zwar immer an der selben Stelle. In ihrem Fall war es die Oevenumer Marsch, genauer gesagt das renaturierte Elmeere Kerngebiet am Fardingsweg.

Die Karte verdeutlicht wie die Ruhezone sich durch die Sperrung des Weges vergrössert.

Die Karte verdeutlicht wie die Ruhezone sich durch die Sperrung des Weges vergrössert.

genauer Geo Standort des Nestes 2014

Das Kerngebiet besteht aus ca. 35 Hektar wiedervernässten Wiesen und Weideflächen. Die Fläche liegt beiderseits des Fardingweges. Dieser Weg wird im Sommer gesperrt wodurch gerade die bedrohten Wiesenvögel auf einer zusammenhängend grösseren Fläche mehr Schutz erfahren weil sie ungestörter brüten können.

Sichtungen der Uferschnepfe 123 im Ausland

Sichtungen der Uferschnepfe 123 im Ausland

Die Orte an denen sie den Winter verbringt sind aus der Karte zu ersehen. Die Auslandsablesungen werden fast ausschliesslich von Holländern durchgeführt. In Holland wurden einige Uferschnepfen besendert und dann durch ein ganzes Team auf dem Zugweg begleitet. Glück für uns daß sie auch die auf der Insel Föhr beringten Vögel ablesen und melden.

Das Winterquartier der Uferschnepfen an der Afrikanischen Küste und die Beobachter vor Ort.

Das Winterquartier der Uferschnepfen an der Afrikanischen Küste und die Beobachter vor Ort.

Dafür möchte ich mich an dieser Stelle bedanken bei: Ysbrand Galama, Job ten Horn, Stef Waasdorp, Jos Hooijmeijer, Rene Faber und natürlich Khady Gueye.

Khady-and-Gerrit, birdwatching in netherland

Khady-and-Gerrit, birdwatching in netherland

Die letzte Meldung von Ufi 123 stammt vom 18.10.2014 aus dem Senegal. Dort wurde sie von der Doktorandin Khady Gueye gemeldet.

Khady in Senegal

Khady in Senegal

Sie war in den Niederlanden und hat im Rahmen ihrer Masterarbeit dort recherchiert und von Gerrit Gerritsen viel über die Uferschnepfen erfahren.

Nun hoffe ich daß „meine“ Uferschnepfe 123 im März/April wieder wohlbehalten auf der Insel eintrifft. Auch sie gehört zu den bei uns bedrohten Arten die mit Revierverlust zu kämpfen haben. Um so wichtiger ist es etwas über die Lebensgewohnheiten der Vögel zu erfahren um ihnen einen Rest-Lebensraum auf der „Grünen Insel Föhr“ erhalten zu können.

Uferschnepfe 123 hoffentlich bald wieder auf Föhr.

Uferschnepfe 123 hoffentlich bald wieder auf Föhr.

Nachtrag zu obenstehendem Artikel (Nieblum, 30.3.2015)

Am 15.März hätte der Weg gesperrt werden sollen. Das Bild entstand 3Tage danach.

Am 15.März hätte der Weg gesperrt werden sollen. Das Bild entstand 3Tage danach.

Der Fardingsweg soll ab sofort nicht mehr geschlossen werden.
Das hat die Gemeinde Oevenum einstimmig beschlossen.
Ich habe bei der Bürgermeisterin Frau Riemann nachgefragt.
Erst per E-Mail wie man das heute so macht. Keine Antwort.
Dann per Brief wie man das immer schon machte. Keine Antwort.
Es ist schon sehr bedauerlich was da politisch in Sachen Naturschutz entschieden worden ist.
Der Weg führt mitten durch das Brutgebiet und wird von keinem Anlieger benötigt!
Ist man sich bewusst dass es sich bei den Uferschnepfen um eine bedrohte Art der roten Liste handelt?
Untersuchungen haben ergeben dass der drastische Rückgang der Uferschnepfen nicht im Winterquartier und auch nicht auf dem Zug der Vögel passiert. Der Grund dass die Art auch bei uns auf der Insel bald aussterben könnte liegt in den Brutgebieten.
Und genau da liegt ein Teil unserer Verantwortung auch auf der Insel Föhr.

Und die Geschichte geht noch weiter:
Heute, am 5.4.2015 traf die Uferschnepfe 123 auf der Elmeere-Fläche 8 ein. Diese sehr feuchte Fläche braucht sie um nach der Ankunft ausgiebig nach Futter zu suchen. Ein paar Flächen weiter ist ihr angestammter Brutplatz im Elmeere-Kerngebiet. Was soll ich sagen, der Weg ist immer noch nicht gesperrt. Was ist das doch bloß für eine Naturschutz-Politik auf der Insel und für wen wird das so entschieden. Pro Natur ist das leider nicht. Und dabei ist Naturschutz inzwischen allein eine Frage des Politischen Willens!

Am 5.4.2015 traf sie auf der Insel Föhr mit ihrem Partner ein.

Am 5.4.2015 traf sie auf der Insel Föhr mit ihrem Partner ein.

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4 Responses to “Uferschnepfe 123, ein bewegter Lebenslauf”

  1. Petra Barwe sagt:

    Hallo Herr Hering, ich habe nach unserem heutigen Gespräch in Ihrem Blog die wunderbare Geschichte „unserer“ Uferschnepfe 123 gelesen.An dieser Stelle herzlichen Dank für Ihre aufschlussreiche Kartierungsarbeit.Ich werde nächste Woche mal ins Rathaus gehen.Mal sehen auf wen ich treffe, um über den großartigen Naturschutz hier auf Föhr zu sprechen

  2. Andreas Meyer sagt:

    Ein toller spannender Einblick in die Föhrer Vogelwelt. Der Bericht gibt einen informativen Eindruck. Vielen Dank.

  3. Horst Goßmann sagt:

    Ganz ganz herzlichen Dank für diesen Artikel. Der Uferschnepfe 123 ist diese internationale Aufmerksamkeit sicher nicht bewusst. Aber mir wird bewusst, wie liebevoll und aufopferungsvoll zum Teil unsere Schöpfung geachtet wird. Das lässt hoffen. Dankeschön.

    • Peter Hering sagt:

      Hallo Herr Goßmann
      Man hat festgestellt dass die grösste Gefahr für das Aussterben einer Vogelart nicht auf dem Zug durch verschieden hoch zivilisierte Länder, und auch nicht im Winterquartier in z.T. weniger zivilisierten afrikanischen Ländern, sondern im Brutgebiet unserer hochzivilisierten Länder liegt.
      Das hat unser Bundesland SH ebenfalls erkannt und ein Projekt zusammen mit dem Nabu ins Leben gerufen. (Life Limosa)

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