Kennzeichen: Der Schnabel des Alpenstrandläufers ist in etwa so lang wie der Kopf und leicht abwärts gebogen. Im Prachtkleid sind die schwarzbeinigen Strandläufer leicht am schwarzen Bauchfleck zu bestimmen, der auch bei den Jungvögeln im Herbst oft noch andeutungsweise in Gestalt dunkler Punkte zu erkennen ist. Rostrote Federpartien und dunkle Federzentren formen ein lebhaftes Muster auf der Oberseite. Im hellen Schlichtkleid mit rein weißer Unterseite und hellgrauem Rücken ähneln Alpenstrandläufer den etwa gleich großen Sichelstrandläufern. Bürzel und Oberschwanzdecken sind aber immer durch einen dunklen Mittelstreifen geteilt. Sichelsträndläufer wirken auch etwas langbeiniger.
Lebensraum: Das ganze Jahr über ist er in den verschiedensten Lebensräumen zu finden. Brutbiotope sind nasse, extensiv genutzte Weiden und Wiesen, Heidegebiete, Moore, Salzwiesen und verschiedene Formen der Tundra. Wichtig sind nicht zu hohe Vegetation und einzelne Pflanzenbüschel, aber auch die Nähe von offenem Wasser und offenen schlammigen Bodenstellen. Die Gezeitenzonen an Flachküsten stellen den wichtigsten Lebensraum außerhalb der Brutzeit. Hier bilden sie gern riesige Schwärme, die in beeindruckenden Flugmanövern kreisen, bevor sie sich zum Schlafen niederlassen. In seinen Lebensraumansprüchen ist der Alpenstrandläufer zu allen Jahreszeiten der vielseitigste unter den in Europa regelmäßig vorkommenden Gattungsverwandten.
Verbreitung: Der Alpenstrandläufer gehört zu den Watvögeln mit der größten Brutverbreitung in Europa und ist im Winter möglicherweise sogar der häufigste von allen. In Europa brüten Alpenstrandläufer auf Island, auf den Britischen Inseln und Irland, in Skandinavien und rund um die Ostsee und am Nordrand Russlands. Die südlichsten Brutplätze liegen in Norddeutschland und in Polen. Außerhalb Europas brüten Alpenstrandläufer über die Tundrengebiete Sibiriens bis an den Pazifik sowie im arktischen Amerika und auf Grönland. Das Winterquartier reicht von den Küstengebieten Westeuropas über das gesamte Mittelmeergebiet bis nach Afrika und Asien nördlich des Äquators.
Nahrung: Wie bei vielen nordischen Watvögeln spielen während der Brutzeit vor allem Insekten die entscheidende Rolle in der Ernährung. An den Rastplätzen im Schlick der Flachküsten und Gezeitenzonen sind es vor allem Ringelwürmer, kleine Mollusken und Krebstiere, die Alpenstrandläufer in Massen anlocken. An Schlammflächen der Binnengewässer werden sie durch andere Kleintiere ersetzt, vor allem durch Larven der Zuckmücken. Der Schnabel wird zum sowohl zum Stochern als auch zum Aufpicken eingesetzt. Oft bohren Alpenstrandläufer ihren Schnabel mehrmals wie in einer Naht in den Boden. Dabei suchen sie ihre Nahrung hauptsächlich nach Gefühl und können sich daher zu großen dichten Trupps versammeln, ohne sich gegenseitig in die Quere zu kommen.
Verhalten: Mit spektakulären Singflügen markieren die Männchen ihre Brutreviere: Die Vögel steigen in Spiralen auf und verharren dann oft schwirrend auf der Stelle.
Brut: Männchen und Weibchen leben normalerweise monogam, auch wenn manche Weibchen sich mit einem zweiten Männchen verpaaren können, sobald die erste Brut geschlüpft ist. Die Nester stehen meist gut in der Vegetation versteckt. Nicht selten finden sich Paare Jahr für Jahr wieder zusammen, so dass die Bigamistinnen sich dann für einen der vorjährigen Partner entscheiden müssen. Schon im ersten, meist aber wohl im zweiten Lebensjahr werden die Vögel geschlechtsreif.
Info: Der älteste bis jetzt bekannte Ringvogel ist 24 Jahre alt geworden. Mit den Alpen hat der Alpenstrandläufer nichts zu tun.