Kennzeichen: Die Singdrossel ist oberseits braun, unterseits rahmfarben und bis zu den Flanken dicht schwärzlich gefleckt. Im Frühjahr können diese Flecken umgekehrt V-förmig, beziehungsweise herzförmig aussehen. Zu den Flanken hin werden sie bisweilen heller, auf dem Unterbauch spärlicher. Das relativ große Auge ist dunkelbraun und trägt einen rahmfarbenen Ring. Der Schnabel ist schwarzbraun mit gelblichen Unterschnabelästen. Die Füße sind bei adulten Tieren gelbbraun bis bräunlich rosa, im Jugendkleid rosa-perlmuttfarben. Die Unterflügeldecken sind rostgelb und heben sich im Flug deutlich vom sonst eher graubraun bis grau wirkenden Unterflügel ab. Ein Sexualdimorphismus ist nicht ausgeprägt. Lediglich die Durchschnittsmaße sind bei Männchen etwas größer. Im Jugendkleid ist die Oberseite wärmer braun und zeigt eine intensiv zimtgelbe Fleckung auf Schultern und Rücken. Die Unterseite ist gelblicher als bei adulten Tieren und die Fleckenzeichnung auf der Unterseite weniger kontrastreich. Jungvögel sind oberseits gelblich gestrichelt.
Lebensraum: Die Art bewohnt vorwiegend Wälder mit viel Unterholz, Feldgehölze, Hecken, Parks, Friedhöfe und größere Gärten.
Verbreitung: In Europa kommt die Singdrossel in zwei Unterarten vor. Die Grenze verläuft durch den Westen Deutschlands. Die östlich davon lebende Nominatform (auch in Nordeuropa und ostwärts bis an den Rand der Artverbreitung) ist mehr an die Fichte gebunden, die westliche Unterart darkzi ist vor allem Laubwaldbewohner. Bei dieser Form ist auch die Verstädterung weiter fortgeschritten als bei der Nominatform, was man in Großbritannien beobachten kann. Das Verbreitungsgebiet der Singdrossel erstreckt sich von Westeuropa bis zum ostsibirischen Baikalsee. Fast ganz Europa ist besiedelt, auf der Iberischen Halbinsel gibt es aber nur kleine Vorkommen - immerhin bis Südspanien. Die Art bewohnt Wälder bis zur Waldgrenze in 2.200 m Höhe. In Südaustralien und Neuseeland wurde sie eingebürgert.
Zug: Die mitteleuropäischen Brutvögel ziehen von Mitte September bis Oktober in Südwestrichtung nach Frankreich, auf die Iberische Halbinsel und nach Nordafrika. In die Brutgebiete kehren sie oft bereits Ende Februar zurück. Auf dem Herbstzug hört man nicht selten auch über Städten das feine „zipp" der nächtlich ziehenden Singdrosseln.
Nahrung: Die Vögel suchen ihre Nahrung auf Wiesen und anderen Freiflächen, oft in der Nähe von Gebüsch, in das sie bei Gefahr flüchten. Je nach Jahreszeit variiert die Nahrung. Im Frühjahr enthält sie vorwiegend Regenwürmer, im Sommer vor allem Käferlarven, Raupen sowie einen relativ hohen Anteil an Schnecken. Typisch ist das Aufschlagen von Gehäuseschnecken auf harten Unterlagen, wie Steinen, den „Drosselschmieden". Im Spätsommer und Herbst werden weiche Früchte und viele Beeren verzehrt, wobei Heidelbeeren besonders beliebt sind. Die Singdrossel ist eine der wenigen Drosseln, die regelmäßig Eibenbeeren frisst.
Verhalten: Singdrosseln sind wenig gesellig. Im Gegensatz zur größeren und langschwänzigeren Misteldrossel, die ausgesprochen wellenförmig und oft hoch fliegt, ist der Flug der Singdrossel geradlinig und meist tief. Am Boden bewegen sie sich rennend oder hüpfend. Bei der Nahrungssuche sind sie oft recht vertraut und viel weniger scheu als Misteldrosseln.
Stimme: Mit seinen klaren, drängenden, deutlichen Phrasen, gehört der Gesang der Singdrossel zu den in Europa am bekanntesten und beliebtesten. Jede der lauten, flötenden und zwitschernden Strophen wird typischerweise 3- bis 4-mal wiederholt. Der Gesang erklingt ab März bis in den Frühsommer und ist extrem variabel. Jeder Vogel beherrscht zwischen 138 und 219 Strophentypen. Solange ein Sänger mit seinem Lied den ganzen Tag über fast ohne Pause die Nachbarschaft übertönt, ist er sicher noch unverpaart. Verpaarte Singdrosseln singen sehr wenig und meist nur kurz in der Abenddämmerung. Die Männchen singen gerne auf Baumspitzen (in Siedlungsgebieten auf Antennen) und häufig in der Abenddämmerung. Viele Singdrosseln imitieren andere Vogelstimmen, wie Watvögel, verschiedene Singvögel und sogar den Waldkauz. Bei Gefahr in Nestnähe warnen die Altvögel mit anhaltenden, zeternden „dick-dick-dick..."-Rufen. Der ist kurz Flugruf „zipp".
Brut: Das Weibchen baut ein sehr stabiles und wohlgeformtes Napfnest aus Gras und Laub. Statt einer weichen Polsterung erhält es als Unterlage für die Eier eine Auskleidung aus Holzmulm oder Lehm. Neststandorte sind Bäume oder Büsche, häufig (Nominatform) in einer jüngeren Fichte dicht am Stamm. Das Weibchen brütet allein, beide Eltern füttern. Die Jungvögel halten sich kurz nach dem Ausfliegen in dichter Deckung auf. Bei Gefahr können sie eine rohrdommelähnliche Tarnhaltung einnehmen. In Mitteleuropa brütet die Singdrossel meist zweimal.
Info: Der kurze, scharfe Flugruf „zipp" hat der Singdrossel auch den Namen „Zippe" eingebracht hat.