Kennzeichen: Goldhähnchen sind die kleinsten europäischen Vögel. Der Körper der Vögel wirkt rundlich aufgeplustert, da das Nackengefieder etwas verlängert ist und der Kopf dadurch nicht klar vom Körper abgehoben ist. Typisch ist der gelbe, schwarz eingefasste Scheitelstreif, der beim Männchen einige orangefarbene innere Scheitelfedern aufweist. Jungvögel haben noch keinen Scheitelstreif. Das Gefieder des Wintergoldhähnchens ist oberseits fahl olivgrün bis gelbgrün und unterseits blasser grauweiß bis graugrünlich. Die Schwungfedern sind im Vergleich zum übrigen Gefieder etwas bräunlicher. Die olivbraunen Arm- und Handdecken sind an der Spitze heller und bilden dadurch eine gelblichweiße Flügelbinde. Das Gesicht wirkt durch die helle Augenumrandung hell, die starren, schwarzen "Knopfaugen" treten markant hervor. Der Schnabel ist von dunkler Farbe, die Nasenlöcher sind durch zwei Borstenfedern verdeckt. Eine lange und stark gebogene Rückwärtskralle weist auf die Anpassung an das Leben in Nadelwäldern hin.
Lebensraum: Wintergoldhähnchen brüten in altem, locker stehenden Fichtenwald, weniger häufig aber auch in Kiefernwald. Im Gebirge werden die Nester in den Flechtenbehang unter Arvenästen eingebaut. Außerhalb des Fichtenareals, beispielsweise in Irland, brütet die Art jedoch in Laubwald, wie Eichen-, Birken- und Erlenwald. Im Winter wird die Nadelwaldbindung etwas lockerer. Dann trifft man Wintergoldhähnchen auch in Mischwald, Laubwald, Busch- und Heckengelände und in Gärten an.
Verbreitung: Das Brutareal des Wintergoldhähnchens umfasst fast ganz Europa und weite Teile Asiens. Im Osten reicht es mit großen Verbreitungslücken bis Ostsibirien sowie China. In Europa fehlt die Art auf Island, im äußersten Norden Skandinaviens und Nordrussland sowie in manchen Gebieten Süd- und Osteuropas. Im Gebirge brütet die Art bis in 2.200 m Höhe, fehlt aber oberhalb der Baumgrenze.
Zug: Europäische Wintergoldhähnchen sind meist Teilzieher, deren Winterquartiere bis nach Süd- und Osteuropa reichen, wo die Art nur noch lokal als Brutvogel vorkommt. In Mitteleuropa kann man sie das ganze Jahr über antreffen. Die nördlichsten Populationen Europas räumen ihre Brutplätze vollständig. Manche Wintergoldhähnchen-Populationen vollbringen enorme Zugleistungen. Ein auf Bornholm beringter Vogel wurde in Algerien eingefangen und hatte innerhalb von 3 Monaten immerhin mindestens 2.475 km zurückgelegt.
Nahrung: Wintergoldhähnchen sind ausschließlich Insektenfresser, die täglich mindestens ihr Körpergewicht an Insekten fressen müssen, um zu überleben. Sie ernähren sich in großen Mengen von Springschwänzen sowie von kleinen Insekten und verschiedenen anderen Gliederfüßern, besonders den kleinsten Winzlingen, wie Schildläusen, Blattläusen, Fliegen und Milben. Gelegentlich frisst es auch kleine Schnecken.
Verhalten: Das Winteroldhähnchen turnt lebhaft in den Zweigen und schwirrt häufig durch die Luft. Charakteristisch für Wintergoldhähnchen ist während der Nahrungssuche ein Flügelzucken, bei der in der Regel der der Bewegungsrichtung entgegengesetzt liegende Flügel rasch seitlich nach oben gestreckt wird. Erregte Vögel zucken auch mit beiden Flügeln. Trotz seiner winzigen Größe ist er ein furchtloser und kämpferischer Vogel. Treffen sich zwei Rivalen, sträuben sie ihr gelbes und oranges Kopfgefieder. Dabei zucken sie mit den Flügeln und nicken mit dem Kopf. Das Präsentieren des Scheitels ist bei diesen Vögeln ein mehr oder minder allgemeines Verhalten, das ganz ähnlich bei Begegnungen zwischen Männchen und Weibchen auftritt. Wintergoldhähnchen schließen sich oft mit Meisen und Baumläufern zu gemischten Trupps zusammen und erscheinen auch an Kleivogel-Fütterungen.
Stimme: Der Gesang besteht aus sehr hohen Strophen mit betontem, etwas tieferem Schlussteil (Endschnörkel). Während der Reviergesang nur von Männchen vorgetragen werden, ist der Plaudergesang von beiden Geschlechtern zu hören. Sie lassen diesen schwätzenden, leisen Subsong, bei dem sie viele andere Arten imitieren, kontinuierlich hören. Es handelt sich um ein melodiöses, sehr hoch vorgetragenes leises „sisisis“. Er ist im Gegensatz zum Reviergesang vollständig angeboren.
Brut: Wintergoldhähnchen brüten in der Regel zweimal, in der kurzen nördlichen Saison verschachtelt. Beide Partner bauen gemeinsam das erste Nest und während das Weibchen das erste Nest bebrütet, beginnt das Männchen mit dem Bau des zweiten Nestes. Das Nest ist ein voluminöser, dreilagiger Napf, der an einen Zweig gehängt wird. Die äußere Schicht besteht aus einer Mischung von Spinnweben, Moos und Flechten. Darunter befindet sich eine weitere Schicht aus Moos und Flechten. Diese Schicht wird schließlich oft mit großen Mengen Federn ausgepolstert. Einige dieser Federn werden wie eine Art Schirm über dem Eingang arrangiert. Die Küken werden zunächst von beiden Eltern gefüttert. Das ändert sich aber, wenn das Weibchen beginnt, die nächste Brut ins zweite Nest zu legen. Dann füttert das Männchen die erste Brut allein weiter. Sind die Jungen selbständig, hilft das Männchen dem Weibchen bei der Fütterung der zweiten Brut.
Info: Wintergoldhähnchen sind bei tiefen Temperaturen recht widerstandsfähig. Versuche zeigten, dass sie ihre Körpertemperatur von 39° bis 41° Celsius selbst bei einer Umgebungstemperatur von –25° C über 18 Stunden lang aufrechterhalten konnten, solange sie genug Futter finden und sich nachts an ein anderes Wintergoldhähnchen kuscheln können. Wintergoldhähnchen können 4 Jahre alt werden.