Kennzeichen: Typisch für die Türkentaube sind das einheitliche beigebraune, recht hell wirkende Gefieder, der einfache, halbe schwarze Nackenring und die weißlichen Unterflügel. Das rötliche Auge hat einen schmalen weißen Augenring. Die Geschlechter sehen gleich aus. Von der ähnlichen Turteltaube ist sie im Flug am besten durch den längeren Schwanz und die breiteren Flügel zu unterscheiden. Jungvögeln fehlt der schwarze Nackenring.
Verbreitung: Ihr ursprüngliches Brutareal reicht in Asien von Vorderasien bis Westchina und Burma sowie Ostchina und Japan. Im Süden ist sie bis Ceylon und zur Arabischen Halbinsel verbreitet. Die Türkentaube hat im 20. Jahrhundert ihr Verbreitungsgebiet explosionsartig nach Europa ausgeweitet, im Norden entlang der norwegischen Küste sogar bis weit oberhalb des Polarkreises. Sie fehlt aber in weiten Teilen des mittleren und nördlichen Fennoskandiens sowie auf der Iberischen Halbinsel. Eine triftige Erklärung für diese plötzliche Expansion nach Nordwesten gibt es bis heute nicht. Die erste Brut in Deutschland wurde 1945 festgestellt, im Jahr davor konnte die Art erstmalig beobachtet werden. Weniger bekannt ist, dass die Türkentaube seit den 70er-Jahren auch in Nordamerika erfolgreich Fuß gefasst hat. Ausgehend von den Bahamas, wo einige Vögel aus Volieren entwichen, hatte sie in den 80er-Jahren bereits Florida erobert, jetzt breitet sie sich in andere Gebiete aus.
Lebensraum: Die Türkentaube ist zur Kulturfolgerin in Dörfern und Städten geworden, weil dort das ganze Jahr über ein günstiges Nahrungsangebot herrscht. Man trifft sie häufig in Parks und Gärten, auch mitten in Großstädten, ferner in Obstgärten, Friedhöfen und Tierparks an. Im Winter besuchen die zierlichen Tauben häufig Fütterungen für Kleinvögel.
Zug: Türkentauben sind Standvögel.
Nahrung: Wie alle Tauben sind auch Türkentauben fast ausschließlich Vegetarier. Sie picken Samen, Getreide und Früchte und zupfen grüne Pflanzenteile. An Taubenfütterungen in Parks fressen sie häufig Brot, an Kleinvogelfütterungen nehmen sie gern Sämereien, geschrotetes Getreide und Haferflocken, wobei Sonnenblumenkerne mit und ohne Schale sehr beliebt sind.
Lautäußerungen: Ihr gurrendes „ru-ruh-ru" erinnert etwas an die Rufe der Ringeltaube Ringeltaube, ist aber kürzer und wird zum Schluss zu kräftiger.
Balz: Bereits im zeitigen Frühjahr vollführen die Männchen ihre Balzflüge. Nach einem steilen Aufwärtsflug mit klatschenden Flügelschlägen von erhöhter Warte aus segelt der Tauber mit flach ausgebreiteten Flügeln in einer bogenförmigen Flugbahn herab. Bei der Bodenbalz zittert das Männchen mit den Flügeln, bläht den Hals auf und senkt den Kopf.
Brut: Das aus trockenen Zweigen und Wurzeln erbaute Nest steht meist in der Astgabel eines Baumes, bevorzugt eines Nadelbaumes, oder Strauches, gelegentlich aber auch in einer Gebäudenische, auf dem Dachbalken einer Fabrikhalle oder sogar im Futterhäuschen. Männchen und Weibchen brüten, das Männchen allerdings nur tagsüber. Im Alter von zwei Wochen stehen die Jungen der Baumbrüter bereits auf dem Nestrand und beginnen, im Gezweig der Umgebung zu klettern. Bei ihren Streifzügen entfernen sie sich immer mehr vom Nest und kehren auch nicht mehr zur Fütterung dorthin zurück. Nach dem Flüggewerden sitzen sie anfangs ruhig auf einem Ast, beim Erscheinen eines Altvogels betteln sie mit piepsenden Rufen und vibrierenden Flügeln. Im Alter von zwei Wochen können sie selbstständig fressen, werden aber noch weitere 2-3 Wochen zumindest vom Männchen gefüttert. Trotz der für Tauben typischen langen Brutzeit zeitigen die Türkentauben dank des ganzjährig guten Nahrungsangebotes und der günstigen Klimabedingungen in der Stadt häufig 4-5 Brüten pro Jahr. Dazu sind natürlich auch Bruten im Winterhalbjahr nötig. Ein weiterer Beschleunigungsfaktor für die Vermehrung sind Schachtelbruten: Während die Jungen der vorigen Brut noch mit Kropfmilch gefüttert werden, bebrütet das Weibchen bereits die nächsten Eier.
Info: Obwohl die Türkentauben bereits seit mehreren Jahrzehnten in Deutschland zum gewohnten Bild gehören, lassen sich immer noch viele Kleinvögel durch fliegende Türkentauben wegen des greifvogelähnlichen Flugbilds einen Schreck einjagen. Sie reagieren mit den spezifischen Rufen für Luftalarm und verfolgen die Tauben in der Luft.