Kennzeichen: Die Dohle ist ein relativ kleiner, lebhafter und geselliger Rabenvogel mit schwärzlichem Gefieder, recht kleinem Schnabel und weiß- bis silbergrauer Iris. Jungvögel haben ein bräunlich¬schwarzes Gefieder, einen dunklen Nacken und blaue Augen. Bei Vögeln der fast rein skandinavischen Nominatform ist der hellere Nacken deutlich vom Rücken abgesetzt.
Lebensraum: Ursprünglich brütete die Art in lichtem Laub- und Mischwald mit alten Bäumen und Höhlen für die Brut. Heute nisten Dohlen oft in Feldgehölzen oder Parks mit alten Bäumen und im Bereich von großen, alten Gebäuden, wie Burgen, Kirchen, hohen Kaminen und Ruinen, außerdem in Steinbrüchen. In ausgedehnten Wald- und Feuchtgebieten sowie im Hochgebirge trifft man die Art nicht an. Zur Nahrungssuche finden sich Dohlen bevorzugt auf offenen Flächen ein, vor allem möglichst extensiv bewirtschafteten Kulturflächen mit niedriger Vegetation. Dazu gehören Wiesen und Weiden, Äcker, in der Großstadt Anlagen mit nicht zu dicht stehenden Bäumen sowie gebietsweise Müllplätze.
Verbreitung: Das Verbreitungsgebiet der Dohle erstreckt sich von Marokko und Algerien über fast ganz Europa. Sie fehlt nur in großen Teilen Skandinaviens, Nordfinnlands und Nordruss¬lands, überschreitet dort gebietsweise aber den Polarkreis. Nach Osten zu reicht das Areal bis Westsibirien, zum Hima¬laja und nach Sinkiang.
Zug: Die meisten Dohlen sind Standvögel, viele nord- und nordosteuropäische Populationen ziehen jedoch im Winter oft zusammen mit Saatkrähen nach Südwesten. In den zum Teil riesigen Krähenschwärmen fallen sie vor allem durch die geringere Größe und schnelleren Flügelschläge sowie die typischen Rufe auf. Viele Dohlen überwintern in Mitteleuropa und Frankreich, manche gelangen bis nach Spanien. Häufig treffen sich allabendlich große Dohlenschwärme an bestimmten Übernachtungsplätzen, wie einer Baumgruppe in einem Park. Bevor sie sich zum Schlafen niederlassen, vollführen die Dohlen oft gruppenweise akrobatische Flugspiele.
Nahrung: Im Sommer ernähren sich Dohlen hauptsächlich von wirbellosen Tieren, wie Insekten und deren Larven, Schnecken und Würmer. Mitunter fangen sie Mäuse oder erbeuten Eier und Jungvögel. Im Herbst tun sie sich an Beeren und Obst gütlich. Im Winterhalbjahr leben sie vorwiegend vegetarisch von Getreide, aber auch von Brot und Küchenabfällen. Zur Unterstützung der Verdauung nehmen die Vögel Magensteinchen auf.
Stimme: Die klangvollen, oft scharf und metallisch klingenden Gesänge der Dohle bestehen hauptsächlich aus Lauten wie "kja" und "schack". Ein Teil des Gesangsrepertoires der Vögel ist dabei angeboren, ein weiterer wird erst im Verlauf des Lebens von dem Tier erlernt und orientiert sich großteils an den Umwelteinflüssen. Die angeborenen Gesänge sind dabei die wichtigeren, da sie zur Reviermarkierung und zur Partnerwahl Verwendung finden. Die variablen Teile werden zusätzlich ins Repertoire aufgenommen, um zum einen die Stimme zu trainieren, und zum anderen, um andere Tiere und vor allem Artgenossen zu täuschen. Da Dohlen auch immer öfter in Städten anzutreffen sind, kommt es mittlerweile sogar vor, dass einzelne Tiere Mobiltelefon-Klingeltöne zu ihren Gesängen hinzugefügt haben, da die klassischen, "piepsigen" Töne dem natürlichen Tonspektrum der Tiere sehr nahe kommen.
Brut: Die Paare leben in Dauerehe, sie sind fast immer zusammen, auch bei der Nahrungssuche. Meist brüten die Dohlen in Gehölzen mit alten Bäumen, wo sie oft Schwarzspechthöhlen beziehen. Sie legen ihre Nester aber auch in Felsspalten, Mauerlöchern, Nistkästen und Nischen auf Kirchtürmen an, auch alte Gemäuer und Ruinen sind begehrte Brutplätze. Das recht große Reisignest enthält als Polstermaterial weiche Pflanzenstoffe, wie Gras, aber auch Papier sowie Haare und Wolle, die die Vögel gelegentlich von Weidetieren abzupfen.
Info: Ganz im Gegensatz zu ihrem gelegentlich noch heute bestehenden Ruf als Künder von Pest und anderen gefährlichen Krankheiten und als „Totenvogel" können Dohlen bei Handaufzucht überaus vertraute Hausgenossen werden und erstaunliche Fähigkeiten in der Nachahmung menschlicher Stimmen und Geräusche zeigen. Dohlen können in Einzelfällen etwa 20 Jahre alt werden.