Kennzeichen: Der Eisvogel hat einen großen Kopf mit dolchigem Schnabel, einen kurzen Schwanz, winzige Füße mit verwachsenen Zehen sowie ein farbenprächtiges Gefieder. Oberkopf, Flügeldecken, Schultern und Schwanzfedern sind dunkelblaugrün bis grünblau gefärbt, wobei sich an den Kopffedern azurblaue Querbänder und an den Flügeldecken azurblaue Spitzen befinden. Der Rückenstreifen ist leuchtend türkisblau. Bis auf die weiße Kehle ist die Unterseite beim Altvogel rostrot bis kastanienbraun gefärbt. Die Kopfzeichnung ist durch rotbraune Ohrdecken, scharf abgesetzte weiße Halsseitenflecken und einen blaugrünen oder blauen Bartstreif charakterisiert. Auf der Stirn befindet sich vor jedem Auge ein kastanienbrauner Fleck, der von vorn gesehen weiß erscheint. Zur Brutzeit sind die Füße orangerot. Der Schnabel des Männchens ist einheitlich schwärzlich, das Weibchen hat eine rötliche Unterschnabelbasis. Die Jungvögel haben oberseits dunkelbraun gefärbte Füße. Das Gefieder ist matter und die Oberseite grünlicher als bei Altvögeln. Die Brustfedern haben fast immer grünliche oder graue Spitzen. Der Schnabel ist ziemlich kurz und schwarz und zeigt einen hellen Fleck an der Spitze.
Lebensraum: Eisvögel brüten an langsam fließenden, klaren Bächen und Flüssen mit deckungsreichen Ufern und geschützten, niedrigen Ansitzwarten über dem Wasser. Manchmal sind die Brutwände mehrere 100 m vom nächsten Gewässer entfernt. Außerhalb der Brutzeit halten sich Eisvögel auch an sehr kleinen Gewässern, an Wasserläufen in Städten und sogar an der Meeresküste auf.
Verbreitung: Die Art bewohnt Nordafrika und weite Teile Eurasiens, von der Iberischen Halbinsel bis nach Ostsibirien und Japan, im Süden bis nach Südindien, Taiwan und Indonesien. Im Norden reicht die Verbreitung bis Island, Schottland, Mittelschweden und Südfinnland. Der Eisvogel meidet Lagen über 900 m Höhe und Trockengebiete. In guten Jahren sind Altvögel sehr bruttreu.
Zug: Mitteleuropäische Eisvögel sind Teilzieher. Vor allem Jungvögel unternehmen Wanderungen, die in Extremfällen bis 2.000 km betragen können. Im nordöstlichen Mitteleuropa, in Teilen Skandinaviens und in Russland ziehen die Eisvögel. Sie überwintern westlich und südlich der Brutgebiete.
Nahrung: Der Eisvogel jagt möglichst schlanke, kleine Fische, die er vom Ansitz oder über dem Wasser rüttelnd erspäht und stoßtauchend erbeutet. Es finden sich aber auch Kaulquappen, kleine Frösche, Weichtiere und Schmetterling auf seiner Speisekarte wieder. Schmetterlinge werden manchmal direkt aus der Luft gefangen. Stark zappelnde Beutefische werden durch kräftige Schläge auf die Ansitzunterlage ruhiggestellt. Wird der Fisch mit dem Kopf voran transportiert, ist er als Futter für die Partnerei oder die Jungen bestimmt, denn der Fisch wird immer mit dem Kopf voran verschluckt.
Verhalten: Eisvögel sind recht ungesellige, unverträgliche und territoriale Einzelgänger.
Stimme: Der kurze, scharfe Ruf des Eisvogels klingt wie „tiht“ oder „ti-it“, das bei Erregung zu „tih-tih“ oder „tit-tit-tit“ abgewandelt wird.
Brut: Für die Brut graben Männchen und Weibchen eine bis 1 m lange, meist ansteigende Röhre in eine Steilwand, die sie am Ende zu einer geräumigen Nistkammer erweitern. Kurz vor der Fertigstellung des Nests beginnt das Männchen damit, dem Weibchen Futter zu bringen, das es ihm rituell überreicht, wenn beide Seite an Seite auf einem Ast sitzen. Die Brutzeit beträgt knapp 3 Wochen. Beide Partner brüten, nachts vor allem das Weibchen. Die Jungvögel sind Nesthocker und anfangs nackt und blind. Sie sitzen Rücken an Rücken in der Nistkammer im Kreis und nur einer schaut in Richtung Tunneleingang. Dieses Junge wird gefüttert und gibt danach einen gezielten Kotstrahl in Richtung Höhleneingang ab. Dann dreht sich das „Fütterungskarussell“, und das nächste Junge nimmt am Eingang Platz. Durch die ständige Kotabgabe der Jungen wird die Brutröhre mit der Zeit so schmierig, dass die Altvögel nach jeder Fütterung baden müssen. Dazu stürzen sie sich unmittelbar nach dem Verlassen der Höhle senkrecht mit dem Schnabel voran ins Wasser und wiederholen diesen Tauchgang in kurzer Folge mehrere Male. Danach schütteln sie ihre Flügel, um sich zu trocknen und widmen sich der Gefiederpflege. Häufig finden Schachtelbruten statt. Das Weibchen sitzt bereits auf dem neuen Gelege, während das Männchen die Jungen der vorhergehenden Brut füttert.
Info: Öltröpfchen in der Netzhaut verbessern das Farbsehen des Eisvogels. Daher kann er die Fische in den feinen, veränderlichen Farbschattierungen eines Gewässers ausmachen. Des Weiteren sind seine Augen auf eine Weise angeordnet, die ihm in einer bestimmten Kopfhaltung einen scharfen Rundumblick ermöglicht. In einer anderen Stellung kann er räumlich Sehen und damit Entfernungen abschätzen. Schaut ein Eisvogel mit etwa um 60° schräg gelegten Kopf nach unten, kann er mit einer winzigen Kopfbewegung zwischen den beiden Sichtweisen wechseln, sodass er den Fisch zunächst erspähen und anschließend die Entfernung einschätzen kann. Die Anpassung des Sturzfluges unter Berücksichtigung der Lichtbrechung, die Objekte unter Wasser näher erscheinen lässt, sind vermutlich zum Großteil Übungssache. Immerhin sind ca. 50% aller Tauchflüge erfolgreich.