Kennzeichen: Der Grauschnäpper ist ein unauffälliger grau bis graubrauner Kleinvogel, mit langen Schwingen und Schwanz. Er hat große, dunkle Augen und eine feine dunkle Längsstrichelung auf der weißlichen Brust sowie an Kehle und Stirn. Jungvögel sind bräunlicher als die ausgewachsenen Vögel und auf dem Rücken hell gefleckt.
Lebensraum: Der Grauschnäpper brütet häufig in offenen Waldgebieten, an Waldrändern, auf Lichtungen, in Feldgehölzen, Alleen und Obstbaugebieten. In Mitteleuropa ist die Art vielfach Brutvogel in Parks und Gärten mit alten Bäumen, auch an Einzelgebäuden, die von alten Bäumen umgeben sind. Im Bergwald wird die Brutdichte mit zunehmender Höhe geringer, aber bis in 2.000 m Höhe wurde die Art schon brütend festgestellt. Am Kaspischen Meer kommt sie sogar in der Beifußsteppe vor.
Verbreitung: Nur wenige europäische Vogelarten sind so weit verbreitet wie der Grauschnäpper. Das Brutareal des Grauschnäppers umfasst Nordwestafrika, nahezu ganz Europa einschließlich der Mittelmeerinseln, jedoch nicht Island sowie das Hochgebirge und die Tundra. Im Süden gibt es sogar ein isoliertes Vorkommen im Sinai. In Asien reicht seine Verbreitung bis in die Gegend östlich des Baikalsees und in die Taigagebiete der Nordmongolei.
Zug: Grauschnäpper sind Langstreckenzieher. Als Zugvogel überwintert er in Afrika und dem südwestlichen Asien.
Nahrung: Hauptsächlich fängt der Grauschnäpper Fliegen, Schwebfliegen, fliegende Ameisen, Mücken und Schnaken, aber auch Schmetterlinge, Libellen sowie Bienen oder Wespen werden erbeutet. Letzteren wird vor dem Verzehr der Stachel entfernt. Verschiedene Beeren, etwa von Hartriegel, Kirsche, Liguster, Holunder oder Himbeere, ergänzen den Speisezettel und werden sogar gelegentlich an die Jungen verfüttert.
Verhalten: Beim Sitzen zucken die Vögel häufig mit den Flügeln und schlagen den Schwanz auf und ab. Sie unternehmen sehr elegante, wendige Flugjagden in weiten Bögen auf fliegende Beutetiere. Manchmal bleiben sie rüttelnd in der Luft stehen, um ein gelandetes Insekt auszumachen. Nach kurzem Jagdflug kehren sie meist wieder auf dieselbe Warte zurück. Das Jagdgebiet umfasst den gesamten Kronenbereich der Bäume. Als Warten dienen aber auch Zäune, Leitungsdrähte, Geländer oder ähnliches.
Stimme: Der Grauschnäpper macht sich häufig durch seine Rufe bemerkbar. Wie der ganze Vogel, so ist auch sein Gesang unscheinbar und wenig beeindruckend. Die überwiegend kurzen, nicht sehr laut vorgetragenen Gesangsstrophen sind meist wohlklingend.
Brut: Als Halbhöhlenbrüter nisten Grauschnäpper gewöhnlich in Nischen von Bäumen, zum Beispiel unter abgestorbener Rinde, an Bruchstellen, aber auch in Mauerlöchern, im Dachgebälk oder in rankenden Pflanzen an Bäumen und Gebäuden. Gelegentlich beziehen sie auch alte Schwalbennester.