Kennzeichen: Der Gänsesäger ist der größte Säger der sieben Sägerarten der Welt und ist deutlich größer als eine Stockente. Im Ruhekleid sind beide Geschlechter einander sehr ähnlich. Zu unterscheiden sind sie dann noch am ehesten im Flug an dem weißen, durchgehenden Feld auf der Flügeloberseite des Männchens. Das Männchen ist im Brutkleid (frühestens ab Oktober bis in den Juni hinein) durch einen schwarzen, teilweise grünlich glänzenden Kopf und Rücken gekennzeichnet. Diese kontrastieren zum weißen Gefieder des Rumpfes, das auf der Unterseite eine leichte lachsfarbene Tönung aufweisen kann. Dem männlichen Gänsesäger fehlt die für das Weibchen wie auch für beide Geschlechter des ähnlichen, kleineren Mittelsägers charakteristische, abstehende Haube. Es hat einen kompakten, anliegenden Schopf. Ruhe- und Brutkleid des Weibchens sind einheitlich und mit grauem Rumpf und rotbraun gefärbtem Kopfgefieder dem des Mittelsägers sehr ähnlich. Im Unterschied zum Mittelsäger bildet die braune Färbung des Kopfes beim Gänsesägerweibchen eine scharfe Grenzlinie zum hellen Gefieder des Halses. Kinn und Kehle sind weiß.
Lebensraum: Waldgesäumte Seen und Flüsse mit ausreichendem Nahrungsangebot sind die bevorzugten Brutplätze. In Mitteleuropa haben sich neuerdings auch Gänsesäger mit den Menschen teilweise arrangiert: An viel belebten Alpenseen führen manche Weibchen ihre Jungen an den Campingplätzen und Uferpromenaden vorbei und manche Paare brüten sogar auch in Stadtparks. Außerhalb der Brutzeit sind sie auch an Flussmündungen und auf Küstengewässern in größerer Zahl anzutreffen.
Verbreitung: Gänsesäger sind die häufigsten Säger auf europäischen Binnengewässern sowohl in der Brutzeit als auch im Winter. Das Brutgebiet erstreckt sich über die ganze Nordhalbkugel in der nördlichen Nadelwaldzone und grenzt im Norden an die Tundra. Es reicht von Westeuropa durch Eurasien bis nach Kamtschatka und von der West- bis zur Ostküste des nördlichen Amerika. Die Südgrenze stößt bis in das Gebiet der Laubwaldzone vor, etwa im Bereich der norddeutsch-polnischen Tiefebene an Seen, die der Eiszeit ihre Entstehung verdanken. Davon isoliert gibt es einzelne Brutgebiete in und am Rand von Hochgebirgen. Am Nordrand der Alpen brüten heute vom Bereich des Genfer Sees bis nach Tirol und Südbayern und lückenhaft noch weiter östlich nach Österreich Gänsesäger wieder häufiger als noch vor etwa 50 Jahren. Nach Norden reicht ihr Brutgebiet bis fast an die bayerische Donau. Einige Beobachtungen deuten daraufhin, dass diese alpinen Gänsesäger über die einfliegenden Wintergäste ständig Verbindung mit Nordeuropäern haben und dadurch auch neuerliche Bestandsaufstockungen stattfanden. Auch in Zentralasien brütet eine Hochgebirgspopulation von Afghanistan über Tibet bis Szechuan. In den Rocky Mountains erreicht der Gänsesäger sogar Kalifornien.
Zug: Mitten im Sommer verlassen in der Regel die Männchen ihre Weibchen, um ein Mauserquartier aufzusuchen. Ein großer Mauserplatz der nordeuropäischen Population befindet sich im Norden Norwegens, kleinere auch auf großen Binnengewässern. Nach dem weitgehenden Selbständigwerden der Jungen können sich auch Weibchen in kleineren Mausertrupps sammeln. Der Abzug ins Winterquartier beginnt erst September/Oktober. Nordeuropäische Brutvögel überwintern z. B. in der Ost- und Nordsee sowie an der Atlantikküste Nordwesteuropas, kommen aber auch tief ins Binnenland bis mindestens an den Alpenrand. Vögel weiter östlich beheimateter Populationen überwintern auch im Schwarzen Meer und im Kaspischen Meer.
Nahrung: Die Nahrung der Jungen bilden zunächst vor allem Wasserinsekten und wohl auch Fischbrut des Seichtwassers. Altvögel leben in erster Linie von Fischen, die meist weniger als 10 cm lang sind, da größere dann oft zu dick und zu hochrückig werden. Die Beutetiere werden wohl meist in einem Tiefenbereich bis 5 m gefangen. Mit ihrem Hakenschnabel und den Sägezähnen können sie die Fische gut festhalten. Ein Gänsesäger frisst täglich etwa 300 g Fisch.
Verhalten: Im Winter, wenn Gänsesäger meist in Trupps auftreten, kann man auch Synchrontauchen beobachten. Das „Wasserlugen" ist wie beim Mittelsäger auch beim Gänsesäger verbreitet.
Stimme: Gänsesäger sind nicht besonders ruffreudige Vögel. Vom Männchen kennt man zwei verschiedene Balzrufe, die aber beide leise sind. Mit erhobenem Schnabel ruft es gelegentlich "auig-a" und gibt außerdem ein hohes, quakendes und glockenartig klingendes "rüh-roh" von sich. Das Weibchen antwortet auf die Balzrufe des Männchens mit einem kurzen "aik-aik".
Brut: Gänsesäger sind Höhlenbrüter. Baumhöhlen für einen Vogel dieser Größe aber sind Mangelware. So sind auch aus neuester Zeit viele merkwürdige Brutplätze bekannt geworden, die keineswegs immer eine optimale Lösung darstellen, wie etwa Dachböden in hohen Häusern oder gar Kirchen, unter Bootshäusern, in Felshöhlen usw. Mit geeigneten Nistkästen lassen sich Gänsesäger gut ansiedeln. In die Bruthöhlen legen die Weibchen ihre Eier ohne Unterlage ab, fügen aber später zum Schutz des Geleges Dunen dazu. Das Weibchen brütet allein. Die Erpel verlassen zu dieser Zeit bereits meist das Brutgebiet und beginnen mit der Mauser. Gänsesägerküken verlassen das Nest einen Tag nach dem Schlüpfen. Dies gestaltet sich manchmal nicht ganz unproblematisch, wenn sich die Bruthöhle in größerer Höhe befindet. Mit gespreizten Flügelstummeln und vorgestreckten Füßen versuchen die Jungen den Fall etwas abzubremsen. Das Weibchen führt die Jungen dann zum Gewässer und betreut sie in den nächsten Wochen. Die Jungen können sofort recht gut schwimmen, bald auch tauchen und suchen von Anfang an ihre Nahrung selbst. Zunächst besteht diese eher aus Wasserinsekten und Würmern, kaum aus Fischchen. Auf dem Wasser sitzen kleine Junge oft auch auf dem Rücken der Mutter und tauchen mit ihr unter. Meist ist der Aktionsradius eines Weibchens mit seinen Jungen sehr groß.
Info: Der Gänsesäger ist im Gegensatz zum Mittelsäger ein Süßwasservogel.