Kennzeichen: Blaumeisen sind durch ihre geringe Größe und das blaubgelbe Gefieder kaum mit einem anderen Kleinvogel zu verwechseln. Im Kopfbereich zeigt das Gefieder der Blaumeise ein sehr typisches Muster, das durch das Fehlen schwarzer Gefiederpartien weniger kontrastreich wirkt als bei den Schwesterarten. Die vom Schnabelansatz bis zum vorderen Augenwinkel weiße Stirn geht oben in die charakteristische hellblaue Kopfplatte über. Die Federn im Scheitelbereich können zu einer niedrigen, stumpfen Haube aufgestellt werden. Vom Schnabelansatz zieht ein schmaler, schwarzer Augenstreif bis zum dunkelblauen Nackenband, der von der hellblauen Kopfplatte durch einen weißen Streifen abgegrenzt ist. Die ebenfalls weißen Wangen sind vorn durch einen schwarzen Kehlfleck und brustwärts durch einen schwarzblauen Halsring begrenzt. Rücken und Schultern sind dumpf grünlich, wobei der Farbton zwischen einzelnen Populationen variiert. Der Bürzel ist graublau und geht fließend in die Oberschwanzdecken über. Brust, Flanken und Bauchseiten sind leuchtend gelb. In der Mitte der Unterseite des Rumpfes befindet sich ein schwarzer Längsstrich, der jedoch teilweise auch von den umliegenden Federn verdeckt sein kann. Die Flügel sind oberseits blau mit einer weißen Flügelbinde, die einzelnen Schwungfedern sind mehrfarbig. Der dunkel hornbraune Schnabel ist verglichen mit dem verwandter Arten kurz und hoch. Die Iris ist braun, die Füße sind dunkel blaugrau, die Krallen grau.
Jungvögel sind bis in den Herbst ihres ersten Kalenderjahres an der blassgelben Färbung im Kopfbereich zu erkennen, da der Wechsel des Kopfgefieders erst am Ende der Jugendmauser einsetzt, die von Mitte Juli bis Ende Oktober des Schlupfjahres stattfindet. Auch nach der Jugendmauser sind sie am deutlichen Farbunterschied zwischen den in der Mauser erneuerten Arm- und den erhalten bleibenden Handdecken von den Altvögeln zu unterschieden. Die neuen Armdecken zeigen dabei die typische Blaufärbung, die Handdecken sind mehr grünlich.
Lebensraum: In Deutschland ist die Blaumeise einer der häufigsten Kleinvögel in Wäldern Parks und Gärten, in denen sie von Nistkästen und Winterfütterung profitiert. Die Art brütet vor allem in Laub- und Mischwäldern und Obstgärten, wobei sie in Auwäldern mit vielen Eichen und gut entwickelter Strauchschicht besonders hohe Dichten erreicht. Man trifft sie aber auch in nicht zu eintönigen Fichtenwäldern an, sofern das Höhlenangebot stimmt. Nicht selten bieten ihr bereits höhere Hecken und Feldgehölze ausreichend Lebensraum. Entsprechend dem Vorkommen von Laubbäumen dringt sie im Bergland bis in rund 1.500 m Höhe vor, in den Pyrenäen wurden Brutplätze in 1.800 m Höhe gefunden. Außerhalb der Brutzeit halten sich Blaumeisen häufig im Schilf und in Gebüsch aller Art auf.
Verbreitung: In ganz Europa sind Blaumeisen sehr häufig, mit Ausnahme des äußersten Nordens und Islands. Von der Blaumeise werden rund zwölf Unterarten unterschieden, die Eurasien von den Kanarischen Inseln und Nordafrika, der Iberischen Halbinsel und großen Teilen Skandinaviens und Finnlands bis zum Südural, im Südosten bis zum Kaukasus und Nordirak bewohnen. Bis auf Zypern brütet die Art auf allen Mittelmeerinseln regelmäßig.
Zug: Während Altvögel meist recht standorttreu sind und sogar in den weit nördlich gelegenen Brutgebieten überwintern, unternehmen mitteleuropäische Jungvögel zum Teil gerichtete Wanderungen (Zug) in westlicher bis südlicher Richtung, wobei bis 1.500 km Entfernungen belegt sind. Hohe Bestandsdichten veranlassen Altvögel zu Abwanderungen, die jedoch von der Richtung her uneinheitlicher und in der Entfernung meist kürzer ausfallen als die Wanderungen der Jungvögel. Von der "Wanderfreudigkeit" der Blaumeise zeugen auch Untersuchungen, bei denen ein Jahr lang in einem bestimmten Garten alle Blaumeisen beringt wurden. Obwohl dort nie mehr als sechs Individuen gleichzeitig auftraten, besuchten diesen Garten über 1.000 Blaumeisen! Im Winter streifen Blaumeisen in gemischten Trupps mit anderen Meisen umher, wobei sie oft den harten Kern solcher Ansammlungen bilden. Studien an beringten Vögeln haben gezeigt, dass die darin vertretenen Vögel verschiedener sozialer Herkunft sind. Einige sind lokale Brutvögel, die mit den Trupps in Reviernähe oder am Geburtsort umherstreifen, andere sind Nomaden, die nur zeitweise einem solchen Trupp angehören.
Nahrung: Das Nahrungsspektrum umfasst vorwiegend kleine Insekten und Spinnen, die die Vögel oft an den äußeren Zweigspitzen und mit dem Bau nach oben suchen. Mit ihren kurzen, kräftigen Zehen können sie sich hervorragend festklammern und so auch aus exponierten Verstecken Insekten hervorholen, die anderen Meisen nicht zugänglich sind. Im Herbst suchen sie häufig an Schilfhalmen nach überwinternden Insektenlarven. Im Frühjahr nehmen sie gerne Weidennektar. Im Winter besuchen sie vielerorts Vogelfütterungen und werden in manchen Parks futterzahm. Im Gegensatz zu anderen Meisen legen Blaumeisen keine Vorräte an, bedienen sich aber gerne aus den Verstecken beispielsweise von Sumpfmeisen.
Stimme: Es gibt viele verschiedene Gesangstypen, aber der charakteristischste ist ein langgezogener Triller, dem mehrere kurze „zizi“ oder „zizizi“-Pfiffe in höherer Tonlage vorausgehen.
Balz: Zur fortgeschrittenen Brutzeit kann man häufig einen kurzen, schwirrenden Balzflug beobachten, der in der Nähe eines möglichen Brutplatzes endet.
Brut: Schon früh im Jahr beginnen Blaumeisen zu singen und sich zu verpaaren. Blaumeisen ziehen ihre Jungen in Baumhöhlen, gerne in Laubbäumen, aber auch in Mauer- und Felslöchern und sogar Briefkästen auf. Das Weibchen baut das Nest und brütet allein. Die Außenschicht des Nestes besteht aus Moos und Grashalmen und wird innen mit Tierhaaren und Federn gepolstert. Nach dem Schlupf der Jungen leisten die Männchen in der ersten Woche die Fütterungsarbeit allein. Es füttert aber oft nicht selbst, sondern übergibt die Nahrung an das Weibchen. Ab ca. 8 Tagen füttern beide mit gleichem Anteil. Ein erheblicher Teil der mitteleuropäischen Blaumeisen brütet heute in Nistkästen. Blaumeisen legen zahlreiche Eier. In Wäldern liegt die Gelegegröße bei rund 11 Eiern, kann aber bis 18 erreichen, eine Zahl, die bei keiner anderen Kleinvogelart der Erde höher liegt.
Info: Nur wenige Blaumeisen werden älter als zwei Jahre. Die älteste Blaumeise in Deutschland wurde 8 Jahre alt. Auf den britischen Inseln erreichen Blaumeisen ein höheres Alter, vermutlich aufgrund der geringeren Wintersterblichkeit. Die beiden dortigen „Rekordhalter" wurden 11 und 12 Jahre alt.