Kennzeichen: In allen Kleidern zeigt der Bergfink einen weißen Hinterrücken und Bürzel. Vorderbrust und Schultern sind mehr oder weniger deutlich orangefarben, der Bauch ist weiß. Im Vergleich zum Buchfink hat er einen stärker gekerbten Schwanz. Männchen im Prachtkleid sind unverkennbar durch das tiefe, glänzende Blauschwarz an Kopf, Nacken, Kopfseiten und Rücken. Junge Männchen sind am Kopf noch braun gefärbt. Bei Männchen im Schlichtkleid ist die Schwarzfärbung durch beige Federsäume verschleiert, die sich gegen den Sommer hin auch am Kopf und Vorderrücken immer mehr abnützen, bis diese Bereiche schließlich rein schwarz aussehen. Bei Weibchen ist die Rostfärbung nur matt angedeutet, auf braunem Rücken zeigen sie ein beiges Schuppenmuster, Nackenfleck und Halsseiten sind weißlichgrau. Der im Sommer blauschwarze Schnabel ist sonst gelblich gefärbt mit dunkler Spitze.
Lebensraum: Man findet ihn vor allem in Wäldern mit Buchenbeständen, in Birkenwäldern und an den Rändern von Nadelwäldern.
Verbreitung: Die Brutheimat liegt in Nordeuropa und Nordasien bis Kamtschatka. Sie reicht vom nördlichen Taigarand nach Süden bis Südnorwegen, Mittelschweden und Südfinnland, in Russland bis zur mittleren Wolga. Im Südwesten des Areals überschneiden sich die Verbreitungsgebiete von Berg- und Buchfink. Von Bergfinken ist bekannt, dass sie manchmal in Mitteleuropa übersommern und gelegentlich mit Buchfinken bastardieren. Neben dem Fitis ist der Bergfink in der nördlichen Taiga die häufigste Brutvogelart. Die gesamte Population zieht im Herbst aus den Brutgebieten ab und einige Vögel fliegen bis Südspanien. Zwischen September und Mai sieht man Bergfinken alljährlich in Mitteleuropa, manchmal in Mengen, die in die Millionen gehen und offensichtlich aus sibirischen Brutgebieten stammen.
Nahrung: Die Schwärme leben dann vor allem von Bucheckern. Um an die Baumfrüchte unter einer lockeren Neuschneedecke zu gelangen, flattern die Vögel mit halb geöffneten Flügeln, als wollten sie baden, und legen dabei den Waldboden frei. Viele Bergfinken, die auf den Straßen zermalmte Bucheckern verzehren, werden überfahren, da sie häufig nicht auf den Verkehr reagieren, ausgenommen auf akustische Signale, beispielsweise Hupen. Bergfinken verbringen den Winter auch in Südskandinavien oder, bei Fehlen von Bucheckern in Mitteleuropa, in Frankreich, Oberitalien und Südosteuropa. Die Vögel fressen aber auch andere Samen, wie Fichtensamen oder Maiskörner. An Futterstellen sieht man Bergfinken seltener als Buchfinken. Im Sommer ernähren sich Bergfinken meist von Insekten, in der ersten Zeit nach Ankunft im Brutgebiet noch von Samen des Vorjahres. Sie erbeuten vorwiegend größere und langsame Beutetiere, wie Raupen, oft vom Frostspanner, sowie Käferlarven. An die Nestlinge werden ebenfalls recht große Beutetiere verfüttert.
Stimme: Sein trockener, schleifender Gesang unterscheidet sich vom Schlag des Buchfinken und wird mit weiter nach oben gerecktem Kopf vorgetragen. Der nasale Ruf „dschäe", „wschschp" oder oft nach oben gezogen „djä" oder „quäih" ist unverkennbar. Im Flug äußern Bergfinken ein kurzes, hartes „jäk" oder „tjek", das kürzer und härter ist als beim Buchfink. Der Gesang besteht aus einer Folge monotoner Einzellaute, die leise beginnen und gegen Ende lauter werden, etwa „dijääi" oder „dsää", ähnlich dem „Schwunschen" des Grünfinken. Bergfinkengesang ist ab März auch im mitteleuropäischen Winterquartier zu hören, etwa ein bis zwei Wochen nach dem Gesangsbeginn der Buchfinken. Zu dieser Zeit hört man oft vielstimmige Chöre der Vögel, die sich vor dem Einfallen in den Schlafbäumen sammeln. Der Klangeindruck erinnert an das Geräusch von Kreissägen.
Brut: Nach Ankunft am Brutplatz im April bis Mai besetzt das Männchen ein Revier, bevor es sich um ein Weibchen bemüht. Das Nest, das in Bäumen und Sträuchern in 1 bis 10 Meter Höhe gebaut wird, ähnelt dem Buchfinkennest, ist aber umfangreicher, dicker und lockerer zusammengefügt. Die Wände bestehen aus Gras und Halmen und sind außen mit Flechten und Rindenteilen getarnt. Im Unterschied zum Buchfinknest ist die Mulde stärker mit Federn und Pflanzenwolle und weniger mit Moos ausgepolstert. Im Süden finden zum Teil zwei, weiter nördlich nur eine Jahresbrut statt. Nur das Weibchen brütet, beide Altvögel füttern. In Jahren mit geringer Raupennahrung wird oft das Brutgeschäft vorzeitig abgebrochen. Die meisten Paare des hohen Nordens ziehen nur eine Brut groß. Bei spät einsetzendem Frühling unterbrechen sie ihren Zug und brüten weiter südlich als sonst.