Kennzeichen: Den Gimpel (auch Dompfaff oder Blutfink genannt) erkennt man an seiner kräftigen Finkengestalt. Die Altvögel sind unverwechselbar: Das Männchen ziert eine sehr auffällige rosarote bis hochrote Unterseite, Kappe und Schnabelbereich sind schwarz, Nacken und Mantel blaugrau. Auf den schwarzen Flügeln fällt die kräftige weiße Flügelbinde auf, auch das Weiß an Hinterbauch, Unterschwanzdecken und auffallend breitem Bürzel sticht ins Auge. Die Weibchen sind gleich gemustert, aber weniger auffällig. Statt rot sind sie auf der Unterseite rötlichbraun gefärbt, der Mantel ist graubraun. Den Jungvögeln fehlt die schwarze Kappe, die Flügelbinde ist rotbraun, der Bürzelbereich isabellfarben und der Schnabel ohne Schwarz. Im Flug sind der schwarze Schwanz, weiße Bürzel und die weichen, pfeifenden Rufe sichere Erkennungsmerkmale.
Lebensraum: Die Art bewohnt bei uns dichte und verbuschte Nadel-und Mischwaldbestände, kommt aber auch in Fichtenpflanzungen und Fichtenstangenholz vor. Feldgehölze, Hecken, Gärten und Friedhöfe bieten ebenfalls geeignete Lebensräume. Im Winter besuchen sie oft Futterstellen.
Verbreitung: Der Gimpel bewohnt ein riesiges Gebiet, das sich von den Azoren bis zu den Kommandeur-Inseln östlich von Kamtschatka sowie nach ]apan erstreckt. Die südlichsten Vorkommen befinden sich im Iran, die nördlichsten in Nordnorwegen. Während der Gimpel in Europa im Norden bis 70° nördlicher Breite noch vorkommt, brütet er in Russland meist nicht oberhalb 50° nördlicher Breite. Die Südgrenze der Verbreitung verläuft etwa durch Nordspanien, Süditalien, Nordanatolien, den Kaukasus und Elburs. In West- und Mitteleuropa brütet hauptsächlich die kleine Unterart P. p.europaea, im Baltikum, in Skandinavien und Nordrussland die große Nominatform. Die Unterart P.p.pileata der Britischen Inseln sowie die in den Pyrenäen beheimatete tiefrote Unterart P.p.iberiae sind ebenfalls klein.
Zug: Nord- und nordosteuropäische Vögel sind Teilzieher.
Nahrung: Erwachsene Gimpel verzehren fast nur Pflanzennahrung. Im Frühling stehen hauptsächlich Laubbaumknospen auf dem Speiseplan, oft von Obstbäumen, auch die Blütenkätzchen von Weiden, Pappeln und Eichen verschmähen sie nicht. Im Sommer fressen sie häufig Waldbeeren, im Herbst die Samen von Stauden und Kräutern. Bei Schneelage gehen sie auf Baumsamen über, wie Vogel- und Mehlbeere, Flieder und Waldrebe. Während der Nahrungsaufnahme in Bäumen und Büschen verhalten sich die Vögel still. Um an Samen oder Knospen zu gelangen, strecken sich die Gimpel, sie können aber auch an Zweigenden hangeln. Auf dem Boden suchen sie nur dann Fressbares, wenn es milchreife Samen gibt. Bei Früchten sind Gimpel nur an den Samen interessiert. Deshalb quetschen oder schneiden sie diese mit den schärfen Rändern ihrer Schnäbel auf und holen mit der Zunge die Kerne heraus. Das Fruchtfleisch bleibt hängen, wird fallen gelassen oder weggeschleudert. Die Jungvögel werden neben pflanzlicher Nahrung auch mit Insekten, Spinnen und Schnecken gefüttert. Gelegentlich erbeuten sie sogar ein fliegendes Insekt im Rüttelflug. Im Frühjahr bilden beide Geschlechter auf beiden Seiten des Schnabels Backentaschen, die zum Transport von Nestlingsnahrung genutzt werden. In diesen können sie bis zu einem Kubikzentimeter zusätzliche Nahrung speichern, so dass sie das Nest in größeren Abständen aufsuchen können.
Verhalten: Das Sozialverhalten der Gimpel unterscheidet sich deutlich von dem der übrigen Finken. Auch außerhalb der Brutzeit bildet er keine großen Trupps. Meist sieht man nicht mehr als ein halbes Dutzend beieinander und oft auch nur ein Paar.
Stimme: Gimpel äußern gegenüber Artgenossen zarte, aber durchdringende „djü" Laute. Der Gesang ist leise und wird unter Schwanzzucken vorgetragen. Das plaudernde Liedchen enthält gereihte Pfeiftöne, kehliges Schnarren und kurze Triller. In warmen Mittagsstunden kann man es oft schon Ende Dezember hören. Gimpel sind hervorragende Stimmenimitatoren. Käfigvögel können sogar menschliche Lieder nachpfeifen. Im Gegensatz zum Gezwitscher anderer Finkenvögel kann man alle seine Lautäußerungen aber leicht überhören.
Balz: Ihr Werbeverhalten findet nicht nur zur Brutzeit, sondern das ganze Jahr über statt. Dabei bewegen sich die Vögel in regelmäßigen Abständen aufeinander zu und machen dann wieder kehrt, wobei sie ihren Schwanz von einer Seite auf die andere schlagen. Dieses Verhalten findet man nur beim Gimpel. Bei anderer Gelegenheit schnäbeln sie miteinander und das Männchen überreicht dem Weibchen ein Stöckchen. Die Paarbildung ist viel ausgeprägter als bei den anderen Finkenarten.
Brut: Auch der Nestplatz wird gemeinsam ausgesucht. Das Nest wird dann meist gut versteckt in den äußeren Traufästen eines Nadelbaumes, in zunehmendem Maße aber auch in jüngeren Laubbäumen oder Büschen angelegt. Zuerst wird ein flacher Unterbau aus Ästchen und alten Krautstängeln erstellt. Auf dieser kaum verankerten Plattform flechten die Vögel eine flache Mulde aus kleinen Würzelchen, die mit feinen Halmen oder Haaren ausgekleidet wird. Oft beginnt das Weibchen schon mit der zweiten Brut, wenn das Männchen noch die erste Brut versorgt. Die Paare führen mehrjährige Dauerehen, vielleicht bleiben sie sogar ein Leben lang zusammen.