Kennzeichen: Sehr auffällig ist der namengebende löffelartige Schnabel. Er wird bis zu 7 cm lang und ist tief dunkelgrau. Der Kopf des Erpels ist dunkelgrün befiedert. Die Brust ist weiß, das Rückengefieder ist dunkel und partiell mit weißen Federn durchsetzt. In der Mitte der Körperseiten befinden sich rotbraune Farbpartien. Die Unterschwanzdecke ist schwarz und durch ein weißes Band gegen die rotbraunen Flanken abgegrenzt. Die mittleren Schwanzfedern sind sepiabraun und weiß gesäumt. Bei den äußeren Schwanzfedern ist dieser weiße Federsaum deutlich breiter. Die Augeniris ist gelb und die Beine auffällig rot gefärbt. Im Flugbild fallen die hellgrauen Vorderflügel auf sowie der von den Armschwingen gebildete metallgrüne Spiegel. Im Ruhekleid ähnelt das Aussehen des Männchens stark dem des Weibchens. Allerdings behalten die Flügel ihre Buntheit und auch die Rücken- und Bürzelfärbung entspricht der Gefiederfärbung des Prachtkleids.
Das Weibchen ist braun gemustert und ähnelt damit anderen Weibchen der Gattung Anas. Besonders große Ähnlichkeit besteht zu den Weibchen der Stockente. Sie ist am einfachsten an dem klobigen Schnabel von anderen Anas-Weibchen zu unterscheiden. Das Körpergefieder des Löffelentenweibchens ist von einem mittleren Braun. Die Konturfedern sind hellbraun gesäumt, was insgesamt zu einem fleckig-schuppigen Aussehen führt. Das Weibchen der Löffelente hat einen braunen Schnabel und rote Beine.
Besonderheit: Der Schnabel der Löffelente ist Markenzeichen und Werkzeug zugleich. Der Schnabel ist eine Anpassung an ihre Ernährungsweise, das Filtrieren. Die Schnabelspitze ist verbreitert, um bei der Vorwärtsbewegung Wasser aufnehmen zu können. Auch der Schnabel selbst besitzt ein großes Volumen, sodass viel Wasser auf einmal verarbeitet werden kann. Auf beiden Seiten sind die Kieferhälften mit kammartigen Lamellen besetzt. Das ist bei den meisten Enten so, aber bei der Löffelente sind sie länger und dichter angeordnet. Auch für noch so kleine Teilchen bilden sie ein effizientes Hindernis, wenn das Wasser mit dem durch die Zunge erzeugten Strom seitlich nach außen gedrückt wird. Dieser Seihapparat ist offenbar sehr empfindlich, wenn die Lufttemperaturen unter dem Nullpunkt liegen, denn die Zwischenräume können durch Eis vorübergehend verkleben.
Lebensraum: Die Löffelente lebt an nahrungsreichen Binnengewässern im Tiefland von Eurasien und Nordamerika. Ihre Ern ährungsweise erfordert Flachwasser mit ausreichend gelösten Bestandteilen. Daher ist sie auf nährstoffreiche Süßwassersümpfe und Seen mit gut ausgebildeter Ufervegetation beschränkt. Außerhalb der Brutzeit ist die Löffelente auch an der Meeresküste und an Salzseen anzutreffen. In Deutschland findet man sie überwiegend am Wattenmeer und auf den vorgelagerten Inseln.
Verbreitung: Löffelenten kommen in der gesamten Holarktis vor. Ihre nördliche Verbreitungsgrenze liegt bei 66 °N und 68 °N. Die Südgrenze ihre Verbreitungsgebietes ist der Mittelmeerraum und in Asien die Steppen- und Wüstenzone. Die Südgrenze der Verbreitung verläuft entlang des Nordens des Schwarzen Meeres, dem Vorland des Kaukasus, dem Kaspischen Meer und den Steppengebieten Zentral- und Mittelasiens. In Nordamerika erstrecken sich die Brutgebiete der Löffelente von der Mitte Alaskas über das Zentralgebiet der Rocky Mountains und der Prärien bis in die nördlichen Teile der Vereinigten Staaten.
Zug: Die Spezialisierung auf bestimmte Nahrung und Technik ihrer Aufnahme führt dazu, dass Löffelenten überwiegend Zugvögel sind, die in warmen oder zumindest ausgesprochen wintermilden Gebieten überwintern. Dies sind vor allem Bereiche Westeuropas, des gesamten Mittelmeergebiets, aber auch das tropische Afrika. Vor allem in den Feuchtgebieten des tropischen Westafrika kommen große Scharen zusammen. Die ebenfalls große Zahl von Überwinterern in Ostafrika besteht wohl in erster Linie aus Brutvögeln Russlands und Sibiriens. Östliche Brutvögel überwintern in Indien und Südasien. In Mitteleuropa beobachtet man wie bei der Schnatterente wohl auch aus gleichen Gründen eine zunehmende Neigung einzelner oder kleiner Trupps, den Winter über auszuharren. Das Brutgebiet der Löffelente reicht um die ganze Nordhalbkugel von den mittleren Breiten bis an den Rand der Arktis.
Nahrung: Die Löffelente durchsiebt mit ihrem Schnabel das Wasser nach Plankton, Wasserflöhen, Insektenlarven, Würmer, Kaulquappen und Laich. In geduckter Haltung mit ihrem auf die Wasseroberfläche gelegten Schnabel schwimmen Löffelenten langsam dahin, oft in einem kleinen Halbkreis das Wasser durchseihend. Auch mit unter¬getauchtem Kopf werden die oberflächennahen Wasserschichten durchschnattert. Gründeln sieht man bei ihnen seltener als etwa bei Stockenten.
Verhalten: Wie andere Gründelenten sind auch Löffelenten außerhalb der Brutzeit gesellig und nicht selten auch nachts bei der Nahrungsaufnahme.
Stimme: Der Ruf der Löffelente klingt in etwa wie "tock". Der Ruf der Weibchen dagegen ähnelt sehr stark denen der Stockentenweibchen. Zu den Instrumentallauten dieser Entenart zählt als Fluggeräusch ein who-who-who. Es ist besonders gut wahrnehmbar, wenn die Enten auffliegen.
Brut: Zur Brutzeit sind die Löffelenten sehr territorial und verteidigen ihren Lebensraum gegenüber Neuankömmlingen, indem sie als Drohgeste ihren Kopf auf und ab bewegen und dabei ihren Schnabel leicht nach oben richten. Das Männchen verteidigt sowohl den Brutplatz als auch sein Weibchen, wodurch eine enge Paarbindung entsteht. Das Männchen bleibt manchmal bis zum Ende der Brutzeit bei seinem Weibchen. Die Balz setzt etwas später als bei der Stockente meist erst im Frühwinter ein. Im Frühjahr kann man Verfolgungsflüge mehrerer Männchen hinter einem Weibchen beobachten. Das Nest liegt gut versteckt in der Vegetation am Boden, mitunter auch weiter vom Wasser entfernt. Wie bei der Pfeifente gibt es auch bei der Löffelente mehrere Beobachtungen, die väterliche Brutfürsorge zeigen. Das Männchen hält in der Regel zumindest in der ersten Phase der Bebrütung Wache in Nestnähe, kümmert sich aber später nicht mehr um die Jungen.
Info: Die Löffelente ist nicht sehr scheu und erreicht eine Fluggeschwindigkeit von bis zu 85 km/h. Eine Löffelente kann bis zu 20 Jahre alt werden.