Kennzeichen: Der Kiebitz ist etwa taubengroß und an seinem Schopf gut erkennbar. Die Oberseite seine Gefieders schimmert metallisch grün, die Unterseite ist weiß. Der Kiebitz hat runde Flügel und fliegt langsam und schwerfällig.
Lebensraum: Kiebitze brüten hauptsächlich in offenen, flachen Landschaften mit kurzem oder gar keinem Gras, auf Wiesen und Weiden, gerne an Gewässerrändern, auf Feuchtwiesen, Heiden und Mooren. Kiebitze brüten auch auf Feldern und Äckern. Während des Winters und der Zugzeit halten sich Kiebitze auch auf abgeernteten Feldern und auf gepflügten Äckern auf. Im Winter sieht man die Vögel weitläufig verteilt auf alten Weiden, aber auch als Trupps auf Schlammflächen.
Verbreitung: Das Brutgebiet des Kiebitzes reicht von Irland bis Ostrussland und vom Nordkap und Sibirien bis Spanien, der Türkei, Kasachstan, der Mongolei und Nordchina. Die Überwinterungsgebiete liegen in Großbritannien, Südeuropa und Nordafrika, im Nahen Osten, Iran, Irak, in Pakistan und Südchina bis auf Hokkaido in Japan. Bei uns (Deutschland) ist der Kiebitz ein weit verbreiteter Brutvogel. Am häufigsten trifft man ihn an der Küste und auch auf den vorgelagerten Inseln an.
Zug: Kiebitze sind Kurzstreckenzieher. Ihre runden Flügel eignen sich nicht für lange Flüge, daher bleiben sie den Winter über in Europa oder schaffen es allenfalls bis nach Nordafrika. Schon im Juni, nach dem Flüggewerden der ersten Jungen, sammeln sich die ersten Schwärme über Wiesen und Feldern oder an Schlammflächen. Dann beginnt eine Art "Frühsommerzug". Wie flache, in ihrer Form sich ständig verändernde, breit gefächerte Wolken fliegen die Schwärme meist niedrig über dem Boden. Der eigentliche Abzug ins Winterquartier in West- oder Südeuropa kann sich aber bis in den Dezember hinauszögern. Nur wenigen Kiebitzen gelingt in milden Wintern die Überwinterung in Mitteleuropa.
Nahrung: Kiebitze ernähren sich von Insektenlarven und Würmern.
Verhalten: Kiebitze leben gern gesellig. Sie sind tag- und nachtaktiv, manche Vögel fressen sogar vorwiegend bei Nacht.
Balzflug: Der Balzflug eines Kiebitz folgt einer Choreografie mit festgelegten Bewegungsabläufen. Die Vorstellung wird von den Augen seiner männlichen Rivalen und potentiellen Partnerinnen verfolgt und beurteilt. Die Schau beginnt mit dem sogenannten "Schmetterlingsflug", bei dem der Kiebitz im Tiefflug mit langsamen Flügelschlägen leicht aufsteigt. Ist ein Weibchen bereits aufmerksam geworden, kann die Vorstellung hier enden. Doch meist beschleunigt der Künstler zur nächsten Figur, dem "Wechselflug". Dabei fliegt er schnell und mit bebenden Flügeln vorwärts und wiegt dabei den Körper wie ein Schiff im Sturm hin und her. Dann ändert er seine Taktik, steigt ein paar mal kurz auf, lässt sich dann wieder fallen und dreht sich ab und zu mitten in der Luft auf den Rücken. Dem folgt ein vergleichsweise "normaler", gleichmäßiger Tiefflug, bei dem über 10 bis 50 Meter nichts Spektakuläres passiert. Dann beschleunigt er plötzlich den Flügelschlag, schwingt sich hoch in die Luft und stößt dabei laute Jodelrufe aus. Am Scheitelpunkt behält er die Höhe bei und fliegt unter aufgeregten "Wiep Wiep"-Rufen weiter. Zum Abschluss taucht er in dramatischem Sturzflug senkrecht ab. Manchmal überschlägt er sich dabei, begleitet von einem Geräusch wie beim Abreißen von Klebeband. Dann bremst er in den Wechselflug ab und landet.
Brut: Die meisten Männchen sind monogam. Manche schaffen es aber, zwei Weibchen zum Nestbau in ihr Revier zu locken. Die Paarbildung hält nur für die Dauer einer Saison. Beide Partner beteiligen sich an der Brut und an der Jungenaufzucht. Dazu gehört auch, dass sie mögliche Fressfeinde vom Nachwuchs weglocken und vertreiben. Das Nest ist eine flache Mulde im Boden, die vier relativ große, tarnfarbene Eier aufnimmt. Im zweiten Lebensjahr werden die Kiebitze in der Regel geschlechtsreif.
Info: In Ausnahmefällen können Kiebitze sehr alt werden. Einzelne Ringvögel haben 20-25 Jahre erreicht.