Kennzeichen: Männchen und Weibchen des Kampfläufers unterscheiden sich in Aussehen und Größe relativ stark. Die Männchen sind 25% größer als die Weibchen. Zur Brutzeit sind die äußerlichen Unterschiede aber am deutlichsten. Von etwa Mitte April bis Anfang Juni bleiben am Kopf der Männchen Teile mit auffälliger Hautfärbung unbefiedert und mit Gesichtswarzen besetzt. Dazu wachsen in Form und Farbe auffallende Federbüschel an Kopf und Hals, die wie übertriebene Perücken und üppige Halskrausen aussehen. In Weiß, Rostbraun, Schwarz oder schwarzweiß gebändert in individuell ganz verschiedener Färbung und Ausbildung präsentiert sich dieser Balzschmuck. Den Weibchen fehlt ein derartiges Hochzeitskleid, allerdings variiert auch bei ihnen im Prachtkleid die Befiederung an Rücken und Flanken mit Bänderungen und Anteilen schwarzer Federn. Außerhalb der Balzzeit ist zwar die Gefiederzeichnung individuell verschieden, aber insgesamt von braunen und grauen Federn bestimmt.
Lebensraum: Kampfläufer brüten vor allem auf feuchten Niederungswiesen, in Mooren und weiter im Osten in der Tundrenvegetation.
Verbreitung: Das Brutgebiet der Kampfläufer erstreckt sich vom nördlichen West- und Mitteleuropa über Osteuropa, um sich dann in Asien in zwei voneinander getrennte Areale aufzuspalten. Ein breiter Streifen erstreckt sich über die Tundrenzone am Nordrand Sibiriens nach Osten bis an die Beringstraße. Einzelne Areale liegen davon getrennt in den Steppen- und Feuchtwiesengebieten im Süden Sibiriens. Brutbestände und Brutareal in den Tiefländern Mitteleuropas haben seit langem abgenommen. Heute brüten nur noch in den Niederlanden und Polen größere Bestände im Binnenland. An der Nordseeküste brüten Kampfläufer auch immer wieder außendeichs auf geeigneten Flächen. Aber auch die Brutbestände entlang der Nordseeküste gehen zurück. Lebensraumzerstörung durch Trockenlegung und später Beunruhigung und Intensivierung der Nutzung sind die Ursachen dafür.
Zug: Die Männchen verlassen die Brutgebiete im Juni, Weibchen und Jungvögel folgen etwa einen Monat später. Als Langstreckenzieher wandern Kampfläufer der westlichen Population vor allem nach Afrika. Hier sammeln sie sich zum Teil in riesigen Scharen an günstigen Plätzen in einem Gebiet, das vom Südrand der Sahara bis nach Südafrika reicht. Aus östlichen Brutgebieten kommen viele über eine Landstrecke nach Ostafrika, Arabien und Indien. Kleinere Bestände überwintern auch rund um das Mittelmeer und in Westeuropa. Zu beiden Zugzeiten tauchen Kampfläufer als regelmäßige Gäste auch im Binnenland Europas auf. Rastplätze sind hier vor allem überschwemmte Wiesen oder Schlammbänke. An günstigen Stellen sammeln sich vor allem im Frühjahr mitunter Tausende. Einzelne tauchen selbst an Kleingewässern sogar in den Alpen auf. Kampfläufer mausern vor und während des Zuges. Wenn die Männchen wieder ein alltägliches Aussehen annehmen, gleichen sie vielen anderen Watvögeln und ihr bizarres Erscheinungsbild und Verhalten in den Brutgebieten scheint unvorstellbar.
Balz: Der Kampfläufer betreibt ein promiskuitives Paarungssystem, d.h. die Beziehung zwischen Männchen und Weibchen beginnt und endet mit der Kopulation. Danach ist allein das Weibchen für Nest, Eier und Junge verantwortlich. Das Männchen leistet also nur einen genetischen Beitrag. Für das Weibchen ist es trotzdem wichtig, dass diese Gene gut sind und die ungewöhnliche Lekbalz des Kampfläufers macht es ihm leicht, schnell ein Männchen mit guten Qualitäten zu finden. Ein Lek ist eine gemeinschaftliche Arenenbalz, bei der die Männchen gegeneinander antreten. Diese Arenen finden sich oft in langer Folge jährlich besetzt, etwa ab Mitte April bis Mai. Der Ablauf der Balz ist trotz intensiver Untersuchungen immer noch nicht restlos geklärt. Die Gruppenbalz der Kampfläufer beginnt am frühen Morgen und kann sich über einen Großteil des Tages hinziehen. Obwohl für sie viel auf dem Spiel steht, rufen Kampfläufer in den Balzarenen nicht, denn zu viel Lärm würde nur die Aufmerksamkeit von Feinden auf sie lenken. Die Kampfläufer versammeln sich auf ebenem Terrain und fechten aus, wer welche Stelle des Balzplatzes besetzen darf. Durch ausgiebiges Posieren, bei dem die bunten Halskrausen zur Geltung kommen, und kleine Scharmützel bildet sich eine Hierarchie heraus. Die Plätze im Zentrum sind am begehrtesten, aber ein Männchen bekommt es nicht ohne Kampf. Das Weibchen weiß das und sucht daher normalerweise zielstrebig das Kernrevier auf und paart sich mit dem Inhaber. Die schwächsten Männchen werden an den Rand der Arena gedrängt und haben kaum Chancen auf Kopulation. Solche „unabhängigen“ Männchen wechseln manchmal den Lek. Andere Kampfläufer sind nicht territorial, sondern wandern von Lek zu Lek und versuchen, direkt unter der Nase des Revierinhabers Kopulationen zu erschleichen. Diese Vögel sind merklich anders gefärbt. Während die territorialen und unabhängigen Männchen individuell schwärzlich, bräunlich oder rötlich gefärbte Halskrausen tragen, haben diese „Satellitenmännchen“ helles oder weißes Gefieder. Man nimmt an, dass sie nicht nur geduldet, sondern sogar angeworben werden, da sie durch ihr weißes Federkleid den Lek für das Weibchen einfacher auffindbar machen. Auch Satellitenmännchen, die wie auch die unabhängigen mehrere Balzplätze besuchen, kommen bei der Kopulation manchmal zum Zuge. Als Satellit muss man geboren werden. Ein erfolgloser Unabhängiger kann sich nicht einfach „umziehen“. Seine vererbte Gefiederfärbung wird lebenslang sein Verhalten bestimmen und niemals würde er von einem anderen Unabhängigen geduldet werden. Das Paarungssystem ist daher das Resultat von Gefiederfarbe, Genetik und persönlicher Leistung.
Info: Die Hoden der Kampfläufermännchen sind mit fünf Prozent der gesamten Körpermasse relativ groß und sind damit schwerer als das Gehirn.