Kennzeichen: Aus der Ferne erkennt man die Brandseeschwalbe vor allem an den rauen, kratzigen Rufen. Von nahem sieht man weitere typische Merkmale dieser zierlichen, schlanken Seeschwalbe: die schwarze Kopfplatte mit kleiner, struppiger Hinterkopfhaube, den schwarzen Schnabel mit gelber Spitze und die schwarzen Beine. Außerdem wirkt sie heller als fast alle anderen Seeschwalben. Im Flug fällt die Weißfärbung von Bürzel und Schwanz auf. Jungvögel haben keine helle Schnabelspitze.
Lebensraum: Brandseeschwalben bewohnen Meeresküsten mit reinem Sandstrand ohne Muschelschalen und meist ohne bis höchstens spärlicher Vegetation.
Verbreitung: An den Küsten der Britischen Inseln, Nordfrankreichs und Mitteleuropas kommt die Nominatform vor, auch die Gestade Dänemarks, Südschwedens und Estlands sowie des westlichen Mittelmeeres besiedelt sie. Am Schwarzen und Kaspischen Meer gibt es große Kolonien. Deutschland beherbergt vor allem an der Nordseeküste mehrere große Kolonien, die alle in Schutzgebieten liegen. Zwei weitere Unterarten sind in der Neuen Welt verbreitet: Vögel der Form acufiavidus bewohnen die Ostküste der USA, außerdem die Küsten südlich über die Antillen bis in die Karibische See. Dort treffen sie auf die Seeschwalben der Unterart ewygnatha. Auch außerhalb der Brutzeit und zur Zugzeit ist die Brandseeschwalbe stark an Meeresküsten gebunden.
Zug: Die Hauptüberwinterungsgebiete der europäischen Vögel liegen an der afrikanischen Küste. Viele ziehen bis Südafrika, manche verbringen aber bereits im Mittelmeergebiet die kalte Jahreszeit. Die einjährigen Vögel und ein Teil der zweijährigen übersommern im Winterquartier.
Nahrung: Die Brandseeschwalbe ernährt sich von Fischen bis maximal 20 cm Länge und 20 g Gewicht (meist 10-15 cm und bis 10 g) und jadt stoßtauchend. Dabei taucht sie im Vergleich zu Fluss- und Küstenseeschwalbe viel vehementer ein. Sandaale, Heringe und Sprotten sind bei europäischen und afrikanischen Brandseeschwalben besonders begehrte Beutefische, die Seeschwalben der Neuen Welt bevorzugen Anchovis und Sardellen. Gelegentlich werden auch Kleinkrebse gefangen. Zwischen den Nahrungsgebieten und den Brutplätzen liegen manchmal Entfernungen von über 50 km.
Verhalten: Hin und wieder wurde beobachtet, dass Brandseeschwalben ihre Nahrungsreviere entlang der Küste gegen andere Vögel verteidigen. Wie die meisten anderen Seeschwalben vollführen auch Brandseeschwalben häufig ein als „stummer Alarm" bezeichnetes Manöver, bei dem die meisten Vögel einer Kolonie plötzlich lautlos von ihren Territorien aufsteigen und aufs Meer hinaus fliegen. Sind sie weit genug geflogen, beginnen alle zu rufen und fliegen gemächlich zurück. Ein „stummer Alarm" kann von etwas so harmlosem wie einer Änderung im Wellentakt ausgelöst werden oder auch gar keinen ersichtlichen Grund haben. Seine Funktion ist unklar.
Balz & Brut: Die Brandseeschwalben sind für ihre Störungsanfälligkeit bekannt. Beunruhigt sie ein Mensch oder ein Fuchs, verlassen sie das Gebiet und suchen sich ein anderes. Ihren Nistplatz wählen sie daher erst kurz vor der Eiablage. Die Balz spielt sich an nahe gelegenen Versammlungsstätten ab. Dabei umtrippeln sich die eleganten Vögel mit hängenden Flügeln und gesträubter Haube. Brandseeschwalben brüten in artreinen Kolonien auf kleinen, flachen Inseln in Küstennähe sowie an abgelegenen Stränden, wo sie nicht gestört werden können - häufig am Rand von Kolonien anderer Seeschwalben oder von Lachmöwen. Die Nester liegen oft sehr dicht beieinander - im Durchschnitt 5-7 Nester pro Quadratmeter, es wurden aber auch schon zwölf Nester auf der gleichen Fläche gefunden. Der Nistplatz, eine maximal 20 cm große Mulde, befindet sich in Dünen oder auf Sandbänken. Beide Eltern wärmen ein bis drei Eier etwa 24 Tage lang. Wenn die Küken schlüpfen, werden sie von den Eltern im Revier gefüttert. Im Alter von etwa einer Woche verlassen sie den Platz und versammeln sich mit anderen Küken in Krippen am Kolonierand. Diese Krippen werden von ein paar Altvögeln bewacht. Vor Gefahren flüchten die Jungvögel als dicht gepackte Masse. Wie bei den dichten Kolonien wirkt auch hier das Prinzip der Solidarität und die Küken haben bessere Überlebenschancen. Während die Jungen in der Krippe sind, können beide Eltern Futter suchen. Wenn sie zurückkehren, rufen sie ihre Jungen einfach heraus, wie in einem Kindergarten. Nach vier bis fünf Wochen sind die Jungvögel flügge, werden aber noch weiterhin von den Eltern versorgt. Erwachsene Seeschwalben versorgen ihren Nachwuchs oft sogar noch auf dem Zug, was beinahe einzigartig unter den Vögeln ist. Bei Brandseeschwalben wurde dies sogar noch im August beobachtet. Während die Altvögel im Frühjahr wieder zurückkehren, bleiben die Einjährigen im Süden und verbringen den Sommer in den fischreichen Gewässern. Wenn sie fast zwei Jahre alt sind, suchen sie eine Kolonie auf. Zwar kommen sie nicht vor Juni dort an, also nicht rechtzeitig, um selbst zu brüten, können aber einem anderen Paar dabei helfen, seine Jungen mit Fisch zu versorgen. Erst im Alter von etwa vier Jahren brüten sie selbst zum ersten Mal.
Info: Brandseeschwalben können bis zu 23 Jahre alt werden.