Kennzeichen: In der Körpergröße und auch in der Färbung ähneln stehende Bruchwasserläufer auf den ersten Blick den etwas kurzbeinigeren und gedrungeneren Waldwasserläufern. Die Oberseite ist aber nicht so dunkel. Dies fällt vor allem im Abflug auf, da dann der Kontrast zwischen Rücken und weißem Bürzel lange nicht so stark ins Auge fällt wie bei abfliegenden Waldwasserläufern, die auch dunklere Unterflügel haben. Ein zusätzliches Kennzeichen sind die Rufe, die aufgescheuchte Bruchwasserläufer fast immer hören lassen.
Lebensraum: Weithin offene Hochmoore mit offenen Wasserflächen sind, oder besser waren, die Brutplätze des Bruchwasserläufers in den westlichsten Teilen seines Brutgebietes. Weiter im Norden und vor allem nach Osten in der Taiga und Waldtundra siedeln viele Paare auch in relativ dichten Baumbeständen, wenn sie durch offene Waldmoore, Seen oder Vernässungen unterbrochen werden. Überschwemmte Rasenflächen, Fischteiche, Schlammflächen an Binnenseen, aber auch grasbewachsene Flussinseln sind typische Rast- und Nahrungsplätze.
Verbreitung: Das Brutgebiet erstreckt sich von Skandinavien über ganz Russland und Asien bis nach Ostsibirien und Kamtschatka. Die westlichsten Brutvorkommen liegen in Schottland. Die Brutvorkommen in Mitteleuropa, die über die norddeutsche Tiefebene von Polen bis in die Niederlande reichten, sind so gut wie erloschen. Auch in den baltischen Staaten und in Finnland ist starke Abnahme festzustellen.
Zug: Durchzügler sind in Europa fast überall am Wasser anzutreffen, sowohl an der Küste als auch im Binnenland. Ab Juli beginnt sich der Wegzug mit zahlreichen Zwischenstopps in Mittel- und Westeuropa bemerkbar zu machen. An vielen Durchzugsplätzen sind zwei Gipfel zu erkennen: Zuerst ziehen die Altvögel durch, die ihre Brutplätze eher verlassen. Später folgen die Jungvögel. Vom Juli bis September und April bis Mitte Mai ist mit dem Durchzug im mitteleuropäischen Binnenland zu rechnen. Regelmäßige Überwinterer kommen in Europa nicht vor. Das Hauptwintergebiet liegt in den Tropen und reicht bis in die Subtropen der Südhalbkugel. Die nördlichsten Winterquartiere finden sich in Nordafrika, vor allem im Nildelta.
Nahrung: Die Nahrung besteht aus kleinen Wirbellosen. Mit seinen längeren Beinen und dem längeren, dünneren Schnabel stehen dem Bruchwasserläufer mehr Wege offen als dem Waldwasserläufer. Während dieser meist nur aufpickt, kann der Bruchwasserläufer zusätzlich im nassen Schlamm stochern und mit dem Schnabel durchs Wasser pflügen. Außerdem schnappt er fliegende Insekten, oft im Sprung, aus der Luft. Somit kann er den Standardspeisezettel wie Insekten, vor allem Käfer und ihre Larven, um Extras wie Samen, Fische und sogar kleine Frösche erweitern. Meist halten die Vögel bei der Nahrungssuche größeren Abstand, rotten sich aber beim Auffliegen zu großen Schwärmen zusammen.
Stimme: Im Flug ruft er "giff -giff -giff". Ein Singflug dient der Reviermarkierung und besteht aus flötenden Rufen.
Brut: Paare kommen verpaart oder zumindest gemeinsam an den Brutplätzen an. Mit eigentümlichen Singflügen markieren die Männchen Reviere. Die Nester liegen am Boden, meist gut in der Vegetation versteckt. Die Benutzung von Baumnestern (z.B. alter Drosselnester) kommt vor. Männchen und Weibchen brüten.
Info: Der Bruchwasserläufer kann 9-11 Jahre alt werden.